Sattelanpassung: Grundlagen und Anwendung

Sattelanpassung: Grundlagen und Anwendung

August 20, 2021 0 By Daphne Maujean

Der Sattel ist das grundlegende Element, das den Reiter mit seinem Pferd verbindet. Er ermöglicht die Kommunikation und die Verbindung zwischen den beiden Sportlern. Ein Sattel, der an den Körperbau des Pferdes und abhängig vom Reiter angepasst ist, ist für die optimale Ausübung des Reitsports notwendig.

Entdecken Sie die Grundlagen der Sattelanpassung und erfahren Sie, wie die Sattler von CWD ihr Können in der Praxis anwenden, um Ihnen perfekt passende Sättel zu bieten.

Was ist die Sattelanpassung?

Die Sattelanpassung, im Englischen auch als Saddle Fitting bezeichnet, ein Begriff, der sich auch im Deutschen mehr und mehr durchsetzt, ist nichts anderes als das Anpassen des Sattels an Pferd und Reiter. Diese Vorgehensweise kommt ursprünglich aus England und ist dort seit mehreren Jahrzehnten weit verbreitet. 

Der Ursprung dieses Ansatzes stammt aus den Vereinigten Staaten nach Europa und entwickelte sich, nachdem die Veterinärmedizinerin Joyce Harman das Buch „The horses pain-free back and saddle-fit bookveröffentlicht hatte. Der Grundgedanke, der dahinter steht, ist, dass jedem Pferd der Sattel so gut es nur möglich ist passen sollte.

Mittlerweile entwickelt sich das Saddle Fitting auch in Frankreich und Deutschland. Allerdings gibt es leichte Abstufungen zwischen der englischen, amerikanischen und französischen Sattelanpassung, die verwirrend sein können.

In England

gibt es einen Unterschied zwischen dem Beruf des Saddle Fitters und dem des traditionellen Sattlers (Sattelmeisters). Ersterer ist ein Experte, der Ihnen dabei hilft, einen Sattel zu finden, der zu Ihnen und Ihrem Pferd passt. Letzterer hingegen ist traditionell ein Fachmann, der Reparaturen oder Änderungen an Ihrem Sattel vornimmt. 

In den USA

hat der Beruf des Saddle Fitters eine breitere Bedeutung. Hier umfasst die Bezeichnung den Beruf des Sattelmeisters und den Teil, der sich mit der Anpassung des Sattels befasst. Der Unterschied zum englischen Saddle Fitter erklärt sich dadurch, dass die Ausbildung für diese Berufe in den USA weniger verbreitet ist.

In Frankreich

gibt es eine weitere Unterscheidung zwischen Saddle Fitter, dem traditionellen Sattler und dem Sattelexperten. Der Sattelexperte arbeitet vor allem als Verkäufer für eine Sattlerei. Es ist jedoch nicht unbedingt ein Verkäufer im klassischen Sinne. Er kann – und muss sogar, um ein wirklicher Experte zu sein – über Grundkenntnisse sowohl in der traditionellen Sattlerei als auch in Sachen Sattelanpassung verfügen. 

Der wesentliche Unterschied in Frankreich besteht darin, dass ein Saddle Fitter Ihnen Sättel verschiedener Marken anbieten kann. Der Sattelexperte hingegen kann Ihnen theoretisch nur die Sättel der Sattlerei vorschlagen, für die er arbeitet – dies ist jedoch in der Praxis auch nicht immer der Fall, insbesondere beim Verkauf von Gebrauchtsätteln.

Und bei CWD?

Unsere Sattelexperten sind vor allem engagierte Profis, deren vorherige Tätigkeit eine Verbindung zum Pferdesport hat: Trainer, Reiter, Pferdepfleger, Züchter!

Sie verfügen über umfangreiches Wissen und solide Grundlagen. Wenn ein neuer Sattelexperte zu CWD kommt, durchläuft er oder sie zunächst eine sehr umfassende Ausbildung, sowohl in der Theorie als auch in der Praxis, um alle Aspekte des Berufs zu beherrschen: die Biomechanik von Pferd und Reiter, die Anatomie, die Sattelanpassung, die Haut- und Lederverarbeitung und die Herstellung eines Sattels.

Maxence Graves CWD-Sattelexperte

Maxence Graves

CWD-Sattelexperte

„Wir hatten die Gelegenheit, die verschiedenen Abteilungen des Unternehmens kennenzulernen: die Gerberei, die Fertigung der Sattelbäume, die Werkstätten…Das ist sehr wichtig, um den Prozess vom Rohmaterial bis zum fertigen Sattel zu verstehen.“

Diese Ausbildung wird von Vorträgen von Pauline Martin, Ärztin für Biomechanik, begleitet. Dabei geht es zum einen um die Anatomie und den Bewegungsablauf von Pferd und Reiter in den drei Gangarten. Zum anderen geht es um die verschiedenen Krankheitsbilder, die durch die Verwendung eines nicht angepassten Sattels auftreten können.

Die Sportsattel-Experten von CWD werden so ausgebildet, dass sie sowohl auf Probleme des Pferdes (Körperbau, Krankeitsbilder etc.) als auch auf die des Reiters (Haltung, Reiten, Entwicklung etc.) eingehen können. Sie kennen also die Bedürfnisse und Einschränkungen beider Sportler. So können sie das Pferd-Reiter-Paar bestmöglich auf dem gemeinsamen Weg zu Leistung begleiten und wahren dabei ihre körperliche Unversehrtheit und ihr Wohlbefinden.

Maxence Graves CWD-Sattelexperte

Maxence Graves

CWD-Sattelexperte

„Wir konzentrieren uns sowohl auf den Komfort des Pferdes als auch auf die Einstellung des Reiters.“

Die Bedeutung der Sattelanpassung für den Komfort von Pferd und Reiter.

Der Sattel ist die wichtigste Schnittstelle zwischen Pferd und Reiter. Jeder Athlet hat einen anderen Körperbau und eine andere Art zu reiten. Ein angepasster Sattel ermöglicht, die körperliche Verfassung eines jeden Einzelnen zu berücksichtigen.

Ein schlecht angepasster Sattel schränkt das Pferd in seinen Bewegungen ein und beeinträchtigt somit seine Leistung. Doch dies kann auch größere Auswirkungen auf seine Gesundheit, den Körperbau und sogar das Verhalten haben. In der Tat treten viele Krankheitsbilder durch die Verwendung unpassender Ausrüstung auf: Lahmheiten, Rückenprobleme, Erkrankungen des unteren Rückens und andere Muskel- oder Bänderatrophien.

Folgen einer unzureichenden Ausrüstung für Pferde

Um den Sattel an das Pferd anzupassen, analysiert der Sattelexperte den allgemeinen Körperbau des Pferdes, doch das ist nicht alles! Er beobachtet das Pferd im Stand und dann in Bewegung, um zu verstehen, wie es sich bewegt. Es geht darum, noch mehr über das Pferd zu erfahren: 

Nicole Thiele CWD-Sattelexperte

Nicole Thiele

CWD-Sattelexperte

„Vom ersten Kontakt mit dem Kunden an sammeln wir so viele Informationen wie möglich über das Pferd: sein Alter, seine körperliche Verfassung, seinen Trainingsrhythmus. Wir versuchen, mehr über seinen Gesundheitszustand zu erfahren, ob es Erkrankungen gibt und ob es beispielsweise von einem Osteopathen betreut wird.“

Diese Informationen sind wichtig, um den Bewegungsablauf des Pferdes zu verstehen. Sie ermöglichen es dem Sattelexperten, geeignete Ausrüstung vorzuschlagen, die den Bewegungsablauf und den Komfort von Pferd und Reiter berücksichtigt, unabhängig von der Belastung. 

Der Rücken des Pferdes unterliegt nämlichen großen körperlichen Veränderungen während einer Belastung und insbesondere beim Springreiten. Hier sorgt die Sattelanpassung dafür, dass der Sattel korrekt mit der Bewegung des Pferdes mitgeht und es nicht behindert. Dazu gehören die richtige Auswahl des Sattelbaums (Form, Material etc.), der Sattelkissen und Polsterungen sowie das allgemeine Gleichgewicht und die Ergonomie des Sattels. 

Ein Sattel kann passend erscheinen, wenn er auf dem Pferderücken liegt, wenn es stillsteht, kann aber schnell unpassend werden, sobald sich das Pferd bewegt. Für eine möglichst präzise Sattelanpassung, müssen also sowohl statische als auch dynamische Prüfungen durchgeführt werden.

Die von den CWD-Sattelexperten überprüften Kontrollpunkte.

Die Kontrollpunkte bei der Sattelanpassung sind zahlreich und variieren abhängig vom Körperbau des Pferdes, vom Design des Sattels und auch von den Eigenschaften der Sattelkissen. 

Die Form des Widerrists, die Schultern, der Rücken und das allgemeine Gleichgewicht des Pferdes

Nicole Thiele CWD-Sattelexperte

Nicole Thiele

CWD-Sattelexperte

„Zunächst betrachten wir das Pferd im Stehen. Wir sehen uns den Körperbau im Allgemeinen und anschließend im Detail an: die Form des Widerrists, die Schultern, die Muskulatur. Wir analysieren auch seine Oberlinie, um festzustellen, ob das Pferd Beschwerden oder Schmerzen hat.“

Die körperlichen Aspekte sind wichtige Indikatoren, um die Anpassung des Sattels durchzuführen. Das Erscheinungsbild der Oberlinie (straff oder locker) und das des Widerrists (ausgeprägt oder eher geradlinig und flach) sind Elemente, die berücksichtigt werden müssen.

Das Gleichgewicht des Sattels

Hier muss der Sattel auf den blanken Pferderücken gelegt werden. Dadurch kann man sein Gleichgewicht insgesamt prüfen, ohne dass eine Schabracke oder eine Sattelunterlage verwendet wird.

Maxence Graves CWD-Sattelexperte

Maxence Graves

CWD-Sattelexperte

„Der Vorderzwiesel darf nicht zu hoch herausstehen und auch nicht komplett auf dem Widerrist aufliegen. Bei einem Sattel im Gleichgewicht liegen Vorderzwiesel und Hinterzwiesel auf gleicher Höhe.“

Die Aussparung am Widerrist

Maxence Graves CWD-Sattelexperte

Maxence Graves

CWD-Sattelexperte

„Anschließend stellen wir sicher, dass der Widerrist völlig freiliegt. Zwischen Widerrist und Vorderzwiesel müssen 3 Finger passen, wenn der Sattel auf dem blanken Pferderücken liegt, 2 Finger, wenn der Sattel gegurtet ist.“

Die harmonische Lage auf dem Pferderücken

Maxence Graves CWD-Sattelexperte

Maxence Graves

CWD-Sattelexperte

„Wir streben eine gleichmäßige Lage des kompletten Sattelkissens auf dem Pferderücken an, mit maximaler Bewegungsfreiheit für das Rückenband und die Schultern des Pferdes. Man fährt dabei mit der Hand unter das Sattelkissen, um zu prüfen, dass der Sattel überall gleichmäßig aufliegt.“

So stellt der Sattelexperte sicher, dass der Sattel die Bewegungsfreiheit des Pferdes nicht einschränkt und der Druck gleichmäßig verteilt wird, damit keine unangenehmen Bereiche entstehen.

Anhand all dieser Informationen kann der Sattelexperte beurteilen, ob der Sattel für den Körperbau und den Bewegungsablauf des Pferdes geeignet ist oder nicht. Natürlich sind unsere Sattelexperten von CWD auch in der Lage, die Sättel dank zahlreicher Konfigurationsmöglichkeiten perfekt anzupassen, indem sie beispielsweise mit der Stärke der Materialien in den verschiedenen Bereichen des Sattels, und vor allem an den Sattelkissen, arbeiten.

Die Sattelkissen, die aus Schaumstoffen unterschiedlicher Dichte bestehen, ermöglichen vor allem eine bessere Druckverteilung und dämpfen die Bewegungen des Reiters.

Natürlich ist es wichtig, dass der Sattel an das Pferd angepasst ist, aber er muss auch für den Reiter passen. Ein für den Reiter ergonomischer Sattel muss seine Haltung, seine Bewegungen, aber auch seinen Körperbau und vor allem sein Gefühl berücksichtigen!

Nicole Thiele CWD-Sattelexperte

Nicole Thiele

CWD-Sattelexperte

„Wir befragen den Reiter zu seiner Person: zu seinem Körperbau, seiner Haltung auf dem Pferd, seinen Fehlern und Bedürfnissen, wir stellen auch Fragen zu seinen Zielen und seinen Vorlieben für ein bestimmtes Sattelmodell oder einen bestimmten Sitz.“

Nachstehen sind einige der Kontrollpunkte beschrieben, die es dem Sattelexperten ermöglichen, Ihnen einen passenden Sattel anzubieten:

Beinlänge und Achse des Oberschenkelknochens

Hierdurch suchen wir nach Größe und Form des für den Reiter am besten geeigneten Sattelblatts. Diese hängt vor allem von seinem Körperbau, aber auch von der Art und Weise, wie er seine Steigbügel verwendet, ab.

Maxence Graves CWD-Sattelexperte

Maxence Graves

CWD-Sattelexperte

„Während der Sattelanprobe wird der Reiter gebeten, seine üblichen Reitschuhe oder Stiefel zu tragen. Wenn der Reiter unterschiedliches Schuhwerk für Dressur und Springen trägt, sollte er die kürzeren Schuhe tragen. In jedem Fall ist es unser Ziel, dass die Pauschen des Sattels parallel zum Oberschenkel des Reiters liegen.“

Denn die korrekte Ausrichtung der Pauschen sorgt dafür, dass der Reiter unterstützt wird, ohne dabei seinen Bewegungsablauf einzuschränken.

Trägt er beispielsweise hohe Reitstiefel, ist die Achse seines Oberschenkels eher vertikal und der Winkel zwischen Oberschenkel und Schienbein ist ziemlich offen. Der Sattelexperte wird Ihnen in einem solchen Fall raten, ein langes Sattelblatt, das am unteren Ende etwas nach vorne geschoben ist, zu verwenden.

Die Sitzgröße

Maxence Graves CWD-Sattelexperte

Maxence Graves

CWD-Sattelexperte

„Bei der Sitzfläche achten wir darauf, dass der Reiter ausreichend Platz hat, um sich bei Bedarf nach vorne oder hinten zu bewegen.“

So wird sichergestellt, dass der Reiter sein Becken ganz natürlich und frei bewegen kann und so eine bessere Verbindung zu seinem Pferd hat.

Bei der Auswahl der Größe und der Form des Sitzes spielt auch das Gefühl des Reiters eine wichtige Rolle. Manche bevorzugen einen flachen Sitz, der mehr Bewegungsfreiheit bietet. Andere wiederum mögen einen tieferen Sitz lieber, der eine stärkere Einbindung des Beckens ermöglicht.

Für den Sattelexperten ist es wichtig, das Pferd-Reiter-Paar in der Bewegung zu analysieren. So kann überprüft werden, ob der Sattel gut passt oder ob weitere Anpassungen vorgenommen werden müssen.

Nicole Thiele CWD-Sattelexperte

Nicole Thiele

CWD-Sattelexperte

„Dank unserer Erfahrung können wir schnell sehen, ob der Sattel für das Pferd und den Reiter passt. Durch die Analyse der beiden in der Bewegung, beim Gymnastizieren ebenso wie beim Springen, können wir bestätigen, dass der Sattel an das Pferd angepasst ist und dass die vom Reiter geäußerten Mängel behoben sind.“

Ein Sattel, der perfekt an den Körperbau des Pferdes und an den Bewegungsablauf des Reiters angepasst ist, ist für sicheres Reiten, unter Wahrung der körperlichen Unversehrtheit beider Sportler, unerlässlich. Der Körperbau kann sich jedoch im Laufe der Zeit und abhängig von verschiedenen Parametern wie Training, Alter, Gesundheit und auch Fütterung verändern. Daher ist es notwendig, seine Ausrüstung regelmäßig überprüfen zu lassen.

Kontaktieren Sie Ihren CWD-Sattelexperten und vereinbaren Sie einen Termin, um zu prüfen, ob Ihre Ausrüstung noch perfekt passt. Selbstverständlich können wir Ihren Sattel, wenn nötig, in unseren Werkstätten anpassen.